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nordwest-zeitung

Fischerei-Genossenschaft Neuharlingersiel: "Ein Gewinn für die Region"

Geschäftsführer Michael Frütel (r.) und (v.1.) die Fischerei-Genossenschaftsmitglieder Wilhelm Jacobs, Alfred Wiemken und Hinrich Peters.    BILD: Frank Brüling

Die Fischerei-Genossenschaft feiert 75-jähriges Bestehen.

Die Fischereigenossenschaft Neuharlingersiel ist mehr als nur eine Organisation von Fischer - sie verkörpert seit 75 Jahren das Erbe und die Tradition der Küstengemeinschaft. Als gemeinschaftliches Unternehmen setzen sich die Mitglieder dafür ein, die langjährige Tradition des Fischfangs zu bewahren und gleichzeitig nachhaltige Praktiken zu fördern. Die Genossenschaft ermöglicht es den Mitgliedsfischern, ihre Stimme zu vereinen und ihre wirtschaftlichen Interessen gemeinsam zu vertreten. Mit ihrer Arbeit stärken sie die lokale Wirtschaft und bieten den Menschen erstklassige, frische Meeresprodukte im Fischfachgeschäft an.

Unternehmen aus der Region

Laut den Mitgliedern Hinrich Peters und Wilhelm Jacobs ist die Fischereigenossenschaft ein echter Gewinn für Neuharlingersiel: "Wir sind stolz darauf, was wir als Gemeinschaft erreicht haben und danken allen Einheimischen sowie Urlaubsgästen, die durch ihre Unterstützung dazu beitragen, dass unser Betrieb nach wie vor erfolgreich ist." Die beiden Fischer betonen, dass das Miteinander und die treue Kundschaft den Fortbestand sichern.

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Von der Gründung bis heute

In diesem Jahr feiert der Zusammenschluss, zu dem heute 19 Mitglieder gehören, sein 75-jähriges Bestehen.
Bereits 1946 entstand die Idee in Neuharlingersiel. Ein Vertreter des Verbands der ländlichen Genossenschaften in Oldenburg besuchte Fischer Georg Peters und berichtete von der Gründung einer Fischereigenossenschaft in Norddeich. Mangels finanzieller Mittel schien eine Gründung zunächst nicht möglich. Erst im Folgejahr initiierte der Raiffeisenverband Oldenburg und der Landesfischereiverband eine weitere Versammlung; der Zuspruch blieb zunächst gering.

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Zwei Jahre später, dank Lambertus Kampen, stimmten schließlich sieben Fischer für den Zusammenschluss. 1950 brachte Schlosser Konert aus Carolinensiel technische und finanzielle Unterstützung für eine Darre ein, was den Kreis der Befürworter auf zwölf erweiterte - die Finanzierung scheiterte jedoch erneut. Erst 1951 sorgte Herr Lange vom Raiffeisenverband dafür, dass die Norddeicher Fischer sowohl technisch als auch finanziell Unterstützung zusagten.

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Am 22. Februar 1951 wurde schließlich in der Wohnung von Gastwirt Rodenbäck die Fischereigenossenschaft gegründet. Zehn Fischer traten der Genossenschaft bei, und unter Führung von Vorstand Georg Peters begann der Aufbau. Mit begrenzten Mitteln wurde zunächst nur der Verarbeitungsbetrieb errichtet - die Fischer packten gemeinsam an, die Erdarbeiten erledigten sie selbst. Am 21. Mai 1951 nahm der Betrieb die Arbeit auf, Gastwirt Rodenbäck stellte Lagerraum zur Verfügung, das Büro befand sich bis 1954 im Haus von Hermanus Jacobs. Als Betriebsleiter wurde Walter Frerichs eingestellt.

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Die Anfangsjahre waren herausfordernd: Schlechte Fangergebnisse und geringe Mengen an Speisekrabben prägten die ersten zwei Jahre. Die Verarbeitung erfolgte meist in der Scheune des Gastwirts, und das Krabbenfleisch wurde nach Norddeich geliefert. Erst ab 1953 ermöglichten gute Fänge den Ausbau der Anlage und den Bau eines Lagerraums mit Büro. Bis 1958 mietete die Fischereigenossenschaft eine „Bude“ von Eilt Jacobs an der Cliener Straat - hier wurden die Speisekrabben verarbeitet.

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Technische Fortschritte prägten die Entwicklung: Die erste Garnelen-Trocknungsanlage wurde erweitert, die Futtergarnelen wurden ab 1965 mit einem Ölbrenner gekocht, 1976 wurde die Gammelfischerei eingestellt. 1958 folgte ein Verarbeitungsbetrieb mit Kühlraum; 1968 erwarb die Fischereigenossenschaft das Betriebsgelände von Tjard Becker, der dieses dem Zusammenschluss schon vor dessen Gründung zur Verfügung gestellt hatte. "Tjard Becker lag viel daran, uns Fischer zu unterstützen“, betont Wilhelm Jacobs.

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Im Juli 1994 wurde ein Verkaufsladen eröffnet, der den Absatz der eigenen Produkte steigerte - 1997 wurde dieser vergrößert, und ab 1999 gab es ein paar Jahre lang auch einen Fischladen mit Imbiss in der Auricher Markthalle. 1997 wurde erstmals über einen Neubau nachgedacht, 2006 wurde schließlich eine neue Halle für Verarbeitungsbetriebe, Kühlräume und Verkauf errichtet, 2009 folgte eine weitere Halle für Krabbensiebung und Kühlzelle, 2021 ein Hallenneubau für Tiefkühlzellen und Verarbeitung.

2023/2024 wurde die Markthalle für Restaurant und Verkauf umfassend modernisiert. Hier stehen Qualität und Frische im Mittelpunkt, besonders bei der Nordseekrabbe als Highlight. Die breite Auswahl an Fisch- und Krabbengerichten ist sowohl zum direkten Genuss als auch zum Mitnehmen verfügbar.

Die Geschichte der Fischereigenossenschaft Neuharlingersiel zeigt, wie die Gemeinschaft zusammenhält und sich immer wieder erneuert - getragen von Einheimischen, Urlaubern und engagierten Mitgliedern ist sie auch heute ein Gewinn für das Sielort.

www.fischereigenossenschaft.de



Von Frank Brülling