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nordwest-zeitung

Neujahrsempfang von Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann: Ein Appell für mehr Zusammenhalt

Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann sprach am 5. Januar vor Hunderten Gästen im Energie-Erlebnis-Zentrum. Zum zweiten Mal fand der Neujahrsempfang der Stadt in dem futuristischen Bau statt. BILD: Farina Rengers

5. Januar im Energie-Erlebnis-Zentrum: Zentrale Stadtprojekte, Appell zur Bundestagswahl, Warnung vor Demokratieverlust, Ehrungen für sechs engagierte Auricher Bürger & Zauberkunst von Andreas Reichert

Abseits aller Raketen und Sektflaschen hat die Stadt Aurich jetzt auch ganz offiziell das neue Jahr begrüßt. Bürgermeister Horst Feddermann hatte am 5. Januar 2025 zum traditionellen Neujahrsempfang in das Energie-Erlebnis-Zentrum geladen und Hunderte waren seiner Einladung gefolgt. Die Spitzen aus Politik und Verwaltung, von Firmen, Verbänden und Vereinen reihten sich ein, um den Ausführungen des Bürgermeisters zu lauschen.

Feddermann nennt wichtige Projekte und zeigt Zuversicht

Dabei streifte der Verwaltungschef die Baustellen des letzten Jahres und ging beispielsweise auf die langersehnte Fertigstellung der Fockenbollwerkstraße und auch der Fußgängerzone in der Innenstadt ein. Beides hatte den Aurichern einiges an Geduld abverlangt. Feddermann nahm aber auch auf die Arbeiten rund um die Markthalle in den Blick, in die das Café Extrablatt einziehen wird und sprach von den Umbauten an der Realschule.

Es waren einige Projekte und Arbeiten, die er aufzählte und dabei durchaus Zuversicht verlauten ließ. Die galt es aus Sicht des Stadtoberhauptes auch mit Blick auf die kommenden zwölf Monate zu versprühen. Neben den Vorhaben in der Stadt, wie Neubauten und Erweiterungsbauten für verschiedene Kindertageseinrichtungen, appellierte Feddermann an die Zuhörer, von ihrem Wahlrecht zur bevorstehenden Bundestagswahl Gebrauch zu machen: „Ich bitte Sie, gehen Sie wählen und nutzen Sie diese Chance, Ihre Stimme abzugeben“. Im Saal gab es dafür entsprechenden Applaus.

Sechs Auricher für gesellschaftliches Engagement geehrt

Angesichts globaler Krisen und Konflikte warnte Feddermann, die Demokratie infrage zu stellen. „Der beste Schutz für die Demokratie ist unser Zusammenhalt“, rief der Bürgermeister den Gästen zu. Wie dieser Zusammenhalt im Einzelnen aussehen kann, wurde bei den Ehrungen verdienter Auricher Bürger deutlich. Gleich sechs Persönlichkeiten aus dem Stadtgebiet wurden als Dank und Anerkennung für ihr Engagement für die Gesellschaft mit einer Urkunde der Stadt Aurich geehrt.

Für eine regelrechte Begeisterung und manch staunenden Blick sorgte derweil der Zauberkünstler Andreas Reichert vom Auricher Zaubertheater. Er übernahm nicht nur die kurzweilige Moderation der Veranstaltung, sondern zeigte auch einige seiner Tricks, bei denen es magisch wurde. Dabei durfte sich das Publikum auch selbst an den Zauberringen ausprobieren. Jens Tammen


Weinberg gibt sein Bundesverdienstkreuz zurück

Haltung Der Leeraner Ehrenbürger ließ sich auch vom Bundespräsidenten nicht umstimmen

Haltung auch im Rollstuhl: Albrecht Weinberg nahm mit seiner Gefährtin Gerda Dänekas an der Demonstration am 8. Februar in Leer teil. Der starke Zuspruch, den er fand, gab den Ausschlag bei seiner Entscheidung. BILD: Axel Pries
Haltung auch im Rollstuhl: Albrecht Weinberg nahm mit seiner Gefährtin Gerda Dänekas an der Demonstration am 8. Februar in Leer teil. Der starke Zuspruch, den er fand, gab den Ausschlag bei seiner Entscheidung. BILD: Axel Pries

Es war ein nettes Gespräch, das Albrecht Weinberg mit dem Bundespräsidenten führte, erzählt seine Gefährtin Gerda Dänekas. Aber nach reiflicher Überlegung stand dann fest: Der Leeraner Ehrenbürger und Holocaust-Überlebende gibt sein Bundesverdienstkreuz wieder zurück, das er im Jahr 2017 für seine Verdienste um die Aufklärung über die Nazi-Gräuel verliehen bekommen hat.

So hat Albrecht Weinberg wahr gemacht, was er nach der Abstimmung zu dem umstrittenen CDU-Antrag zur Migration im Bundestag ankündigte: dass er diesen deutschen Orden nicht mehr tragen könne. Obwohl Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich ihn noch umstimmen wollte.

Zehn Minuten Gespräch mit Steinmeier

Zehn Minuten habe das Gespräch mit dem Staatsoberhaupt am Montag, 10. Februar, gedauert, erzählt Gerda Dänekas. Steinmeier habe ihn gebeten, den Schritt noch einmal zu überdenken. Danach sei Albrecht Weinberg zunächst unentschlossen gewesen. „Der Bundespräsident kann sehr gut reden“, erinnert sie sich. Nach zwei Stunden, in denen sie und Albrecht Weinberg das Für und Wider abgewogen hätten, stand dann aber fest: „Er gibt das Bundesverdienstkreuz zurück. Genaugenommen“, so fügte Gerda Dänekas im Gespräch mit dieser Zeitung hinzu, „es ist schon wieder dort.“ Denn der befreundete Mannheimer Fotograf Luigi Toscano, der sein Bundesverdienstkreuz ebenfalls zurückgeben wollte und auch ein Gespräch dann am Dienstag direkt beim Bundespräsidenten hatte, hatte das Kreuz bereits im Gepäck dabei: „vorsichtshalber“.

Unternehmen aus der Region

Starker Beifall für Weinberg bei Demo in Leer

Der 99-Jährige, der im März den 100. Geburtstag feiert, sei sehr hin- und hergerissen gewesen. Den Ausschlag gaben dann die positiven Reaktionen, die er bei seiner Aufklärungsarbeit mit Schulklassen und bei Auftritten in Leer immer wieder erlebt - zuletzt bei der Demonstration gegen Rechts am Samstag, 8. Februar. Bei jener Kundgebung wurde auch Albrecht Weinberg als Teilnehmer von der Bühne begrüßt und löste starken Beifall unter den Demonstranten aus.

All diese Menschen und auch die Schülerinnen und Schüler, die sich von ihm erzählen lassen, wie es damals im Nazi-Reich war „die könne er nicht enttäuschen“, erzählt nun Gerda Dänekas, die häufig als Sprecherin für Albrecht Weinberg auftritt. Er sage: „Ich kann nicht zu den Menschen sagen, dass sie sich wehren sollen und dann selbst zurückziehen.“ Und auch seinen ermordeten Familienmitgliedern sei er es schuldig, konsequent zu sein und das Kreuz nach den Ereignissen in der Politik wieder zurückzugeben.

Danach rief er dann gleich beim Bundespräsidenten an und teilte ihm die Entscheidung mit. Steinmeier habe sich betroffen gezeigt: „Er sagte, dass es ihm unendlich leid tut.“ Aber er könne die Entscheidung auch verstehen. Axel Pries