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nordwest-zeitung

Vorreiteranlage feiert Jubiläum: 30 Jahre in Wittmund-Isums

Das Team, mit Geschäftsführerin Manuela Beyer (4.v.1.), blickt voller Freude auf die Entwicklung der Biogasanlage zurück. Bilder: Frank Brüling

Die Biogasanlage nutzt Blockheizkraftwerke zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Lebensmittelabfällen sowie Rinder- und Schweinegülle für die Bundeswehrkaserne.

Die Biogasanlage im Wittmunder Ortsteil Isums blickt dieser Tage auf 30 Jahre Betriebszeit zurück – und das mit Stolz. Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 verfolgt die Anlage konsequent das Ziel, die Industrie in Ostfriesland zu stärken und Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Inspiration für das ambitionierte Projekt lieferte damals eine ähnlich große Biogasanlage der Firma Krüger Engineering im dänischen Aarhus. Ausschlaggebend für die Realisierung waren die enge Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft sowie die Initiative von Persönlichkeiten wie Herbert Fischer vom Kreissparkassenverband, die maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben.

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Bis heute nimmt die Biogasanlage Isums eine Vorreiterrolle in der Region ein und setzt Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourcennutzung. Das Kerngeschäft umfasst die Verwertung von Abfällen aus der Lebensmittelindustrie. Dadurch wird nicht nur die Umwelt entlastet, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft geleistet. Zusätzlich verarbeitet die Anlage Gülle aus der Rinder- und Schweinehaltung – das dabei entstehende flüssige Gärprodukt verbessert als Sekundärrohstoffdünger die Eigenschaften der Gülle und kann somit effizienter in der Landwirtschaft verwendet werden.

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Mehrere Blockheizkraftwerke

Ein weiteres Herzstück der Anlage ist die Produktion von Biogas, welches zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Die Leistungsdaten belegen die Innovationskraft des Betreibers Biogas Wittmund GmbH & Co. KG: Am Standort in Wittmund stehen mehrere Blockheizkraftwerke (BHKW) mit unterschiedlichen Kapazitäten auf dem Anlagen- und Bundeswehrgelände. Seit der Inbetriebnahme 1996 gab es mehrere Übernahmen, zuletzt 2017 durch die heutigen Gesellschafter. Der erzeugte Strom wird seit 2015 erfolgreich direkt vermarktet. Als Substrate kommen jährlich rund 55 000 Tonnen Rinder- und Schweinegülle sowie etwa 40 000 Tonnen Lebensmittelabfälle zum Einsatz. Die Wärmeversorgung der Bundeswehrkaserne ist ein integraler Bestandteil des Wärmekonzepts.

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Das Jubiläum wird heute ab 10 Uhr mit einer Feier für geladene Gäste begangen. Dabei wird der Werdegang der Anlage ebenso gewürdigt wie die erreichten Meilensteine. Zu den Höhepunkten zählen Vorträge, unter anderem von Professor Klaus Adams, der maßgeblich für die Umsetzung der Anlage verantwortlich war. Auch die heutigen Geschäftsführer, Manuela Beyer und Raimund Leopold, kommen zu Wort und lassen die Entwicklung der vergangenen Jahre Revue passieren. „Die Jubiläumsfeier soll uns Gelegenheit geben, Danke zu sagen: den Ideengebern und Unterstützern, unserem Team, allen, die an der Umsetzung beteiligt sind, und nicht zuletzt allen Bürgern“, betont Manuela Beyer.

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Die Biogasanlage Isums hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten als nachhaltige und zukunftsweisende Energiequelle etabliert – sowohl für die regionale Wirtschaft als auch als Beispiel für gelungene Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Industrie und Forschung. Das Jubiläum unterstreicht die Bedeutung des Standortes als Impulsgeber für Innovation und Nachhaltigkeit in Ostfriesland.

Die Biogasanlage in Wittmund-Isums gilt als „Vorreiteranlage“ in der Region.
Die Biogasanlage in Wittmund-Isums gilt als „Vorreiteranlage“ in der Region.

Sehr gute Entwicklung

Die Geschichte der Biogasanlage in Wittmund-Isums beginnt im Jahr 1995 mit der Erteilung der Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BlmSchG) für die Verarbeitung von 100 000 Tonnen Gülle sowie 45 000 Tonnen Abfällen pro Jahr. Bereits im Oktober 1996 wurde die Biogasanlage erfolgreich in Betrieb genommen.

Zwei Jahre später, 1998, übernahmen Stefan Schubert und Manuela Beyer die Geschäftsführung. Im selben Jahr wurde der große Biofilter gebaut, dessen Fläche von ursprünglich 50 auf beachtliche 600 Quadratmeter erweitert wurde. 1999 folgte der Anbau der zweiten Abfallhalle, sowie die Zertifizierung der Anlage mit dem Gütesiegel für das flüssige Gärprodukt und als Entsorgungsfachbetrieb. Ebenfalls 1999 wurde ein großes Gärproduktlager mit einem Fassungsvermögen von 5.000 Kubikmetern für die Lagerung im Winter errichtet.

Im Jahr 2000 verließ Stefan Schubert das Unternehmen. 2004 übernahm die EWE Holding schließlich die Biogasanlage. Im Folgejahr 2005 erfolgte eine umfassende Erweiterung: Das Blockheizkraftwerk (BHKW) auf der Anlage wurde von bislang 376 Kilowatt elektrischer Leistung auf 1.065 Kilowatt elektrischer Leistung ausgetauscht. Außerdem wurde an das Sozialgebäude ein Büroraum angebaut.

2006 erfolgte die Umfirmierung in EWE Biogas GmbH & Co. KG, zudem wurde T. Götze als zweiter Geschäftsführer eingesetzt. Ein weiteres zukunftsweisendes Projekt war 2007 die Installation von Photovoltaikanlagen auf allen Gebäudedächern der Anlage.

Im Jahr 2013 wurde das Dach des Mischtanks erneuert: Das frühere Trapezblech wurde durch ein gasdichtes Edelstahl-Dach ersetzt. 2014 folgten die Sanierung des Fußbodens in Halle 4 sowie die Umwallung des hinteren Geländes.

Laufende Investitionen

Im Jahr 2015 wurden die Lagerdächer erneuert und von einem Spitzdach auf eine kuppelförmige Konstruktion um das Fünffache vergrößert. 2016 standen die Renovierung des unterirdischen Abfalltanks und des Fermenters sowie die Erneuerung der Gasleitung im Mittelpunkt. Zudem wurden neue Hygienisierungstanks in Betrieb genommen.

Ein einschneidendes Ereignis war 2017 der Verkauf der Anlage durch die EWE an die regionalen Unternehmer Leopold und Gerdes. Noch im selben Jahr wurden zwei zusätzliche Gärproduktlager mit jeweils 5000 Kubikmetern errichtet und das alte Winterlager überdacht. Außerdem wurde erstmals eine Treppe zu den Fermentern gebaut.

2019 investierte man in drei neue Motoren in der Kaserne; zudem wurde ein neues EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) abgeschlossen, das bis 2039 Gültigkeit besitzt. 2020 wurde eine neue Düngerhalle errichtet und eine Trocknungsanlage (Trocknung Jumbo) für die Produktion von Düngepellets in Betrieb genommen.

Im Jahr 2024 wurden die Hallenwände der Abfallhalle erneuert, ebenso wie neue, besonders stromsparende Rührwerke im Mischtank installiert. Darüber hinaus wurde eine neue PVSolaranlage auf dem Dach der Düngerhalle installiert.

Mit Blick auf die Zukunft ist für das Jahr 2027 die Errichtung einer gemeinsamen Gasaufbereitung am Standort Updorf geplant – als Cluster in Zusammenarbeit mit den Biogasanlagen Ardorf und Hattersum.

Von Frank Brüling