Für Olaf Strieb, seit 2013 Intendant der Landesbühne Niedersachsen Nord, ging 2016 der Traum eines jeden Theaterintendanten, einmal in seiner Ägide eine neue Spielstätte eröffnen zu können, in Erfüllung. Am 13. Februar 2016 wurde mit der Premiere des meistgespielten Off-Broadway-Musicals „The Fantasticks“ das wirklich fantastische Ereignis der Eröffnung der neuen Spielstätte „TheOs - Theater im Oceanis“ gefeiert. Etwas mehr als zehn Jahre später findet nun am morgigen Sonntag, 26. April, der Festakt zum zehnjährigen Bestehen des „TheOs“, wie es umgangssprachlich genannt wird, statt. Die Festredner und -rednerinnen werden dann gewiss die besondere Entstehungsgeschichte des „TheOs“ Revue passieren lassen und Worte des Dankes und der Wertschätzung an alle Protagonisten richten. Außerdem wird mit einer Auswahl kurzer Spielszenen aus den erfolgreichsten Produktionen der vergangenen zehn Jahre ein unterhaltsamer Rückblick auf eine Dekade „TheOs“ geboten.
Wie alles begann
Alles begann, wie so häufig in Wilhelmshaven, mit der Kaiserlichen Marine. Denn das Gebäude am Großen Hafen 1, in dem heute unter anderem das „TheOs“ beheimatet ist, wurde 1916/17 als Torpedolagerhaus für die Kaiserliche Werft gebaut. Das im neoklassizistischen Stil erbaute Klinkergebäude diente im Laufe der folgenden hundert Jahre verschiedensten, aber immer industriellen Zwecken. Als letzter Industriebetrieb hatte hier die Kammgarnspinnerei „Müller & Raschig“ von 1951 bis 1993 ihr Domizil. Nach einigen Jahren des Leerstands und des damit einhergehenden Verfalls gab es erste Umbaupläne.
Umbau zum „Oceanis“
Im Auftrag der städtischen Tochtergesellschaft „Wilhelmshaven Projekt GmbH“ wurde das Gebäude 1999 bis 2000 für die „Expo am Meer“ umgebaut. Die virtuelle Unterwasserstation „Oceanis“ hielt Einzug in das ehemalige Torpedolagerhaus. Am 1. Juni 2000 fand die feierliche Eröffnung des künftigen langjährigen Publikumsmagneten „Oceanis“ mit internationalem Flair statt.
Bis April 2010 war die als „Oceanis-AG“ firmierende Tochter der Sparkasse Wilhelmshaven Mieter des Gebäudes, zwischen 2009 und 2011 zog hier die „Nordseewelten GmbH“ ein. Am 3. Januar wurde das „Oceanis“ endgültig geschlossen. Doch der Name „Oceanis“ hatte sich da schon im kollektiven Gedächtnis der Jadestädter verankert und die vorherigen Namen des Gebäudes abgelöst. Noch bis zum Umbau zeugte der große Oceanis-Schriftzug aus Beton vor dem Haus von der vorerst letzten Nutzung des Gebäudes.
Vom Studio Rheinstraße zum TheOs
Viele Jahre zuvor, im September 1989, konnte die Landesbühne erstmals eine - neben dem Stadttheater - zweite Spielstätte in Wilhelmshaven einweihen. In den Räumlichkeiten einer ehemaligen Berufsschule an der Rheinstraße 91 entstand das „Studio Rheinstraße 91“. Im Herbst 1990 fanden hier die ersten Aufführungen statt. Das „Theaterfoyer“ war gleichzeitig die beliebte Künstlerkneipe „Spectakel“, die zu einem urigen Treffpunkt in der Südstadt wurde. 25 Jahre später, am 22. November 2015, fiel im inzwischen stark baufälligen „Studio Rheinstraße 91“ der letzte Vorhang.
Ein folgenreiches Telefonat
Als Strieb von den Plänen Angelika Reichelts erfuhr, das „Oceanis“-Gebäude zu erwerben und anderweitig nutzen zu wollen, sah er seine Chance gekommen. Denn in den Wintermonaten 2013 diente die obere Etage des alten „Oceanis“ der Landesbühne als Probenraum für das Weihnachtsmärchen Und dieser Probenraum am Großen Hafen wurde von allen als fantastisch empfunden.
Strieb nahm also allen Mut zusammen und rief bei Frau Reichelt an: „Moin Frau Reichelt, Olaf Strieb am Apparat, Intendant der Landesbühne. Ich habe ein Attentat auf Sie vor. Sie können mich direkt nach meiner Anfrage für verrückt erklären und wieder auflegen.“ Kurz gesagt: Strieb schilderte Angelika Reichelt die Situation im „Studio Rheinstraße 91“ und unterbreitete ihr die Idee, im „Oceanis“-Gebäude ein neues Studio für die Landesbühne zu etablieren. Nach kurzem, für Strieb gefühlt minutenlangem Schweigen, sagte Angelika Reichelt: „Das kann ich mir sehr gut vorstellen, Herr Strieb. Ich werde umgehend mit meinem Architekten Kontakt aufnehmen. Ich melde mich wieder bei Ihnen“. Und die Unternehmerin hielt Wort. „Dann ging es Schlag auf Schlag, wie ein Theatermärchen“, erinnert sich Strieb.
Über den Innenausbau wurde man sich schnell einig, einige Treffen, ein paar Korrekturen und das neue Studio ging in die Bauphase über. Nur für die Namensfindung der neuen Spielstätte und der neuen Gastronomie bedurfte es einiger Flaschen Rotwein, bis man sich auf „TheOsTheater im Oceanis“ und „CaOs - Café und Restaurant im Oceanis“ einigte.



Mut oder Größenwahn? - Eine neue Ära beginnt
Die neue Ära des „,Oceanis“ begann am 31. Oktober 2014. Die Unternehmerin und Gründerin von Reichelt Elektronik, Angelika Reichelt, kaufte das bis dahin leerstehende Haus in bester Lage unmittelbar am Großen Hafen. Nicht ganz ein Jahr später schon konnte das Richtfest gefeiert werden für das Haus, das nun neun unterschiedlich große Wohnungen, ein Penthaus, ein Theater und einen Gastronomiebetrieb beherbergen sollte. Für Architekt Dirk Lohe hielt das historische Gebäude, dessen Konstruktion mit genieteten Stahlträgern dem Schiffbau entlehnt war, viele Herausforderungen bereit.
Heute bietet das „TheOs“ mit seinen sechs Meter hohen Decken und seinen 440 Quadratmetern Nutzfläche sowohl den Zuschauern als auch den Theaterschaffenden reichlich Platz, Licht und Luft, sowie modernste Bedingungen. Der erhöhte Zuschauerraum mit den stark gestaffelten Rängen - die letzte Reihe etwa sitzt in 2,40 Meter Höhe - garantiert beste Sicht auf die ebenerdige Bühne. Hinter der Bühne ist viel Platz für Lagerflächen, Garderobe und Maske.
Umzug und Eröffnung im Jahr 2016
Schon am 10. Februar 2016 brachten 99 freiwillige Umzugshelfer in einer viel beachteten Aktion die 99 Stühle aus der Rheinstraße in das neue „TheOs“ am Bontekai. Zum Dank kamen die Umzugshelfer in den Genuss der Generalprobe für die Eröffnungspremiere. Diese fand dann am 13. Februar 2016 mit dem meistgespielten Off-Broadway-Musical „The Fantasticks“ statt. Das Musical, bei dem Landesbühnenintendant Olaf Strieb Regie führte, war eine „Hommage an das Theater selbst. Es war Theater pur, für die Sinne, für die Fantasie und auch fürs Herz“, hieß es in der „Wilhelmshavener Zeitung“.
Im März dann feierte die „Junge Landesbühne“ mit den Festwochen ihren Einzug ins „TheOs“. Unter dem Motto „Zukunftswelten gestalten - Das Heute im Blick“ wurde ein vielfältiges Programm mit Theater, bunten Aktionen sowie einem Kinderfest für Groß und Klein auf die Beine gestellt. Im „TheOs“ kommen in erster Linie die Studioproduktionen der Landesbühne zur Aufführung. Insgesamt 33 Produktionen des Abendspielplans wurden bisher im „The Os“ gezeigt, darunter so erfolgreiche Stücke wie „Das Kunstseidene Mädchen“ (2017), „Amphytrion“ (2019) oder „Für mich soll's rote Rosen regnen“ (2024), um nur einige zu nennen.
Heimat der Julabü und mehr
Mit einem eigenen Spielplan für Kinder und Jugendliche präsentiert sich die Julabü. Allein 36 Produktionen zeigte die Julabü in den vergangenen zehn Jahren im „TheOs“. Erinnert sei hier an den „Grolltroll“, „Angst oder Hase“ oder auch an die erste und zugleich Ur-Aufführung im damals neuen „TheOs“, „Die Globusspione: Mission Millenium“.
Das jetzige Team der Julabü besteht aus Britta Hollmann (Leitung), Stefanie Kaufmann (Theaterpädagogik und Produktionsdramaturgin) und Caroline Wybranietz (Theaterpädagogik). Letztere ist die Nachfolgerin von Frank Fuhrmann, der über 30 Jahre Theaterpädagoge an der Landesbühne war und mit seiner Laienspielgruppe „Silbermöwen“ den Grundstein für die heutige „Bürger:Bühnen“ legte. Neben fünf Inszenierungen pro Spielzeit verantworten die drei Julabü-Frauen inzwischen einen Jugendclub 15+, einen Starter-Club für 9- bis 14-Jährige, eine Bürger:Bühne Theater!, eine Bürger:Bühne Tanz! (Leitung: Tanzpädagogin Katie Riebschläger) und ein Bürger:Bühne Impro Go!. Die Clubs treffen sich während der Spielzeit in regelmäßigen Abständen in den Proberäumen des Stadttheaters und können sich unter professioneller Anleitung kreativ ausprobieren.
Höhepunkt ist dann das Spielclubfestival, das dieses Jahr zum dritten Mal im „TheOs“ und drumherum stattfindet. Dann treten die fünf Clubs am Spielzeitende an einem Wochenende mit einer Abschlussperformance auf und zeigen, was sie im Laufe der Spielzeit erarbeitet haben. Bis zu 55 Akteure und Akteurinnen zwischen 8 und 75 Jahren sind an den Darbietungen beteiligt. Das generationsübergreifende Projekt wird von der Sparkasse Wilhelmshaven unterstützt.
Doch damit nicht genug, genutzt wird die Spielstätte für viele weitere Zwecke - von diversen Theaterprojekten bis hin zu Sonderveranstaltungen.
Gleich im Eröffnungsjahr, im Juni 2016, fand zum Beispiel das Theaterfestival „Ankommen - Wir zusammen“ rund ums „TheOs“ statt. Diese Veranstaltung sollte Begegnungen zwischen den in der Region lebenden Menschen und den ankommenden Flüchtlingen schaffen.


Zahlreiche Gastspiele sind zudem auf der Studiobühne am Bontekai zu erleben. Musiker Rainer Bielfeldt, der seit 1989 mit der Landesbühne verbunden ist, unter anderem als ehemaliger musikalischer Leiter und Komponist für verschiedene Produktionen, gastiert seit 2022 regelmäßig im „TheOs“. Ein ebenso erfolgreicher Dauerbrenner ist seit 2017, die „Blaue Weihnacht“, die für viele Wilhelmshavener bereits zur liebgewonnenen Tradition in der Vorweihnachtszeit geworden ist. Schauspielerin sowie Sängerin Sibylle Hellmann und Musiker Thomas Denker treten bereits seit 2017 im „TheOs“ auf. Das Duo feierte hier jüngst 2025 sein Jubiläumskonzert „20-Jahre Hellmann & Denker“. Ein weiteres Jubiläum feierte 2024 das Laienensemble der Jade Hochschule zum zehnjährigen Bestehen des Projekts „Jadetheater“.
In Kooperation mit der Hafenschule entstand 2022 das Theater- und Musical-Projekt „Kindheit in Deutschland“, das die Hafenrocker im „TheOs“ präsentierten. Auch die inklusive Theatergruppe „Wildwuchs“ zeigte auf der Studiobühne bereits ihr Können und eröffnet dort am 29. Mai das diesjährige Spielclubfestival. Erstmals 2024 fanden die Landesbühnentage in Wilhelmshaven im „TheOs“ statt und seit 2023 gehört die Spielstätte zu den Stationen des „Literarischen Landgangs“, der am Freitag, 5. Juni, nun zum vierten Mal im „TheOs“ zu Gast ist. Für Sonderveranstaltungen wird das „TheOs“ auch vermietet, so etwa an Service-Clubs, Firmen oder Fördervereine.
Zehn Jahre TheOs und zehn Jahre CaOs
Als Viktor Stenzel vor gut zehn Jahren in der Zeitung las, dass Angelika Reichelt im Parterre des von ihr erworbenen Oceanis-Gebäudes eine Gaststätte plante, war er sofort Feuer und Flamme. Zu dieser Zeit war der gelernte Koch Betriebsleiter bei der Pumpwerk-Gastronomie und hegte schon länger den Traum vom eigenen Lokal. Aus seiner Zeit als Koch im damaligen Restaurant „Nautilus“ im ersten Obergeschoss des Oceanis-Gebäudes kannte er sogar die Örtlichkeit sehr gut.
Ein Koch, eine Unternehmerin und das Schicksal
Der damals 37-Jährige hatte sich in der regionalen Gastronomieszene längst einen Namen gemacht. Auch für die Weihnachtsfeiern von „Reichelt Elektronik“ stand Stenzel regelmäßig am Herd - so kannte er auch Angelika Reichelt persönlich. In diese Zeit fiel auch ein wahrer Kraftakt für ihn: Ein großer Empfang für 400 Gäste aus Politik und Wirtschaft in der Jadestadt, für den Stenzel im Pumpwerk das Catering übernahm. „Das war damals eine Höchstleistung für mich“, erinnert sich der heute 47-Jährige. Doch die Mühe sollte sich auszahlen, denn schnell sprach es sich unter den Gästen herum, wer für die kulinarischen Köstlichkeiten verantwortlich war - Angelika Reichelt inklusive. „Der wäre doch was für dein neues Restaurant“, war da mehr als einmal zu hören.
Das Schicksal meinte es in dieser Nacht besonders gut mit Viktor Stenzel: Als das herbeigerufene Taxi für Angelika Reichelt auf sich warten ließ, bot er kurzerhand an, sie nach Hause zu fahren - die beste Gelegenheit, ihr seine Ideen für das neue Restaurant persönlich zu schildern. Der entscheidende Anruf folgte am 28. November 2015: Angelika Reichelt sagte ihm den Pachtvertrag für das neue Restaurant zu. Viktor Stenzel wurde sofort in die Planungen für das neue „CaOs - Café im Oceanis“ einbezogen, bei der Kücheneinrichtung hatte er freie Hand.
Mehr als nur gute Nachbarschaft
Während das benachbarte Theater „TheOs“ bereits Mitte Februar seinen Spielbetrieb aufgenommen hatte, wartete das Publikum gespannt darauf, was sich in der neuen Gaststätte tat - erste geschlossene Veranstaltungen fanden bereits statt. „Anfang April haben wir dann einfach aufgemacht, ohne große Ankündigung“, so Stenzel. „Heute nennt man so etwas Soft-Opening“, sagt er schmunzelnd.
Mit dem Bau der Terrasse über dem Wintergarten kam im zweiten Jahr ein weiteres Highlight hinzu. Heute verfügt das „CaOs“ über rund 200 Sitzplätze auf zwei Etagen. Besonders im Sommer sind die Plätze auf der Terrasse und im Wintergarten mit Blick auf den Großen Hafen heiß begehrt. Ein separater Clubraum bietet darüber hinaus Raum für geschlossene Veranstaltungen wie Familienfeiern, Clubtreffen oder Betriebsfeste.
Von Anfang an steht das „CaOs“ für durchgehend warme Küche von 12 bis 21 Uhr und ist bis 23 Uhr geöffnet. Zum Kaffee werden neben einer kleinen Eisauswahl gern Desserts wie Cheesecake oder Waffeln gereicht. Die direkte Nachbarschaft zum „The Os“ mit gemeinsamem Eingang - sieht Viktor Stenzel als absoluten Gewinn. Viele Besucher reservieren bereits im Voraus, um vor der Vorstellung noch entspannt zu speisen.
Das wohl schönste Geburtstagsgeschenk
Mit seinem Team bietet er Küche für jeden Geschmack und jedes Alter: vom Seeteufel bis zum Schnitzel, vom überbackenen Camembert bis zum Wildbraten, vom leichten Sommersalat bis zum Spargel - bei Stenzel fühlt sich jeder Gast willkommen und bestens beraten: „Ich bin eine lebendige Speisekarte“, sagt er lachend. Auch als Ausbilder gibt der „,CaOs-Chef“ sein Wissen weiter - fünf Azubis haben hier bereits ihre Lehre abgeschlossen. Natürlich liegt auch das Catering für die festliche Jubiläumsfeier in den bewährten Händen von Viktor Stenzel, seiner Frau Alexandra und dem eingespielten Team. Und als wäre das Jubiläum nicht schon Grund genug zum Feiern, gibt es für den 47-Jährigen noch ein besonderes Geschenk: Die vorzeitige Verlängerung seines Pachtvertrags für weitere zehn Jahre - das wohl schönste Geburtstagsgeschenk und ein weiterer Grund, die Gläser zu erheben. Walburg Dittrich

Auf die nächsten zehn Jahre!
Foyergespräch mit Angelika Reichelt und Olaf Strieb
Durch die riesigen, bodentiefen Fenster scheint die Frühlingssonne ins Foyer des „TheOs“ und lässt die roten Wände mit dem expressiven Graffiti darauf förmlich erglühen. „Die warmen Rottöne des Foyers stehen nicht nur für das Rot der Landesbühne, sondern symbolisch auch für mein Herzblut, das in diesem Projekt steckt“, sagt Unternehmerin Angelika Reichelt, Bauherrin und Mäzenin des „TheOs“. Doch vor der Wahl der Wandfarbe gab es für Angelika Reichelt und ihren Mann Heinz Feldhusen-Reichelt sowie für den Landesbühnenintendanten Olaf Strieb viele wesentlich wichtigere und weitreichendere Entscheidungen zu fällen.
Eine super Idee
„Ich erinnere mich noch genau, es war der 15. Januar 2015, als Olaf Strieb mich anrief“, erzählt Angelika Reichelt. „Ich kannte ihn gar nicht, hatte nicht mal ein Gesicht vor Augen. Als er sich als Landesbühnenintendant vorstellte, dachte ich erst, er will um eine Spende bitten.“ Doch Olaf Strieb wollte mehr als eine Spende, er wollte ein neues Theater. „Nach diesem Telefonat dachte ich nur: das ist eine super Idee“, sagt Reichelt.
Es war Schicksal, kein Zufall
„Ich war damals in meiner dritten Spielzeit und noch ein richtiger Frischling“, sagt der heute 56-jährige Strieb. Das „Oceanis“ selbst habe er nur von außen gekannt. „Bis wir im ehemaligen Restaurant ,Nautilus' für unser Weihnachtsmärchen proben durften. Das war überwältigend. Hier müsste man Theater machen', habe ich damals nur gedacht.“
„Und ich kannte die Gaststätte ,Nautilus' von unserer Betriebsweihnachtsfeier“, sprudelt es aus der Unternehmerin heraus. „Hier müsste man wohnen', habe ich damals gedacht.“
„Das Schicksal hat uns zusammengeführt“, ist sich Strieb sicher. „Angelika und ich sind über die Jahre zu guten Freunden geworden.“
Privatwirtschaftliches Engagement par Excellence
„Mein größtes Dankeschön gilt Angelika Reichelt und ihrem Mann Heinz Feldhusen-Reichelt. Was die beiden ermöglicht haben, ist privatwirtschaftliches Engagement par Excellence.“ Der Bau eines neuen, überwiegend privat finanzierten Theaters - die öffentliche Hand habe lediglich den Innenausbau unterstützt - sei heutzutage eine Seltenheit. „Wir haben allen Grund zu feiern, denn welcher Intendant kann schon in seiner Ägide ein neues Theater einweihen und noch dazu in so herausragender Lage direkt mit Blick auf das Wasser? Sowas haben weltweit nur wenige Theater zu bieten, höchstens Sydney mit seiner Oper“, schwärmt Strieb.
„Oder Hamburg mit der Elphi. Aber wir waren schneller“, sagt Angelika Reichelt lachend. „Ja, es ging alles rasend schnell“, pflichtet Strieb seiner Freundin bei. „,Ende 2015 haben wir dann das ,TheOs' an die Landesbühne übergeben“, erinnert sich die Bauherrin. „Zur Eröffnung des Theaters war das Gebäude noch eingerüstet, das ‚CaOs' war noch gar nicht eröffnet. In meiner Eröffnungsrede habe ich gesagt: wir haben zwar ein kleines Theater gebaut, aber großes Theater gab es auch.“
So etwa mit dem Foyer, das erst ganz kurz vor der Eröffnung des „TheOs“ an nur einem Wochenende sein imposantes Graffiti bekam.
Danke an Fangemeinde und Nachbarn
„Das ,TheOs' hat Kultstatus heute und sogar eine eigene Fangemeinde, was uns bewogen hat, ein eigenes TheOs-Abo, das TheOs hoch fünf einzuführen“, sagt Olaf Strieb. Sein Dank gelte darum auch allen Zuschauerinnen und Zuschauern jeden Alters. „Von drei bis 103 Jahren.“
„Und ich sage Danke für das tolle Zusammenspiel von Gastronomie, Theater und den Mietern der Wohnungen. Es war nicht immer leicht, alle unter einen Hut zu bringen. Wir haben es geschafft, dass alles ein gutes Miteinander geworden ist. Es war seinerzeit, als mein Mann und ich das Gebäude kaufen wollten, der Wunsch der Stadt, dass im ehemaligen, Oceanis' auch (wieder) Gastronomie etabliert wird und wir sind sehr froh, Viktor Stenzel als Pächter der Gastronomie zu haben und wir sind auch sehr froh und dankbar, dass er der Verlängerung des Pachtvertrages um weitere zehn Jahre zugestimmt hat.“
„Auch wir freuen uns über die wunderbare Nachbarschaft mit dem‚CaOs‘“, betont Strieb. „Nicht nur vor und nach den Aufführungen nutzen die Theatergänger das gastronomische Angebot, auch in den Pausen treffen sich die Zuschauer gerne im ‚CaOs' auf ein Getränk.“
Stadtbildpreis für gesamtes Objekt
„Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass das,TheOs' und das,CaOs' maßgeblich zur Belebung des Bontekais beigetragen haben“, so Angelika Reichelt. „Du musst aber auch erwähnen, dass Ihr für das ganze Gebäude den Stadtbildpreis gewonnen habt“, erinnert Strieb seine Freundin und Mäzenin. „Ich baue einfach leidenschaftlich gerne“, erwidert Angelika Reichelt und sagt nicht ohne Stolz: „Viele Projekte, die vor zehn Jahren in unserer Stadt realisiert werden sollten, sind auf der Strecke geblieben, angefangen von der Bebauung des ehemaligen Botanischen Gartens bis hin zum Ehrenwortplatz.“
„Das, TheOs' war für mich ein echtes Geschenk“, betont Reichelt. „Wer hat schon so ein schönes Theater? Es ist mein Wunsch für die Zukunft, dass uns allen das,TheOs' erhalten bleibt.“ „Das ist auch mein größter Wunsch“, sagt Strieb. „Auf die nächsten zehn Jahre „TheOs“! Walburg Dittrich
