Uwe Röver erinnert sich heute noch schmunzelnd an den Kraftakt vor 30 Jahren, als aus dem ehemaligen Sporthotel in kurzer Zeit eine Fachklinik für Prävention und Rehabilitation für Familien entstanden ist.
Überzeugendes Konzept
Das Sporthotel wurde im Jahr 1995 aufgegeben und stand zum Verkauf. „Mit meiner Gesellschaft Planbau & Sozialmanagement bekam ich den Auftrag eine alternative Nutzungsmöglichkeit für dieses Objekt zu prüfen. Meine Kenntnisse und gute Kontakte zu vielen Krankenkassen haben mich damals ermutigt, aus dem Hotel ein Konzept für eine Fachklinik für Familien zu entwickeln.
"Nach intensiver, konzeptioneller Vorarbeit habe ich die notwendige Lizenz für die Schaffung einer Klinik bekommen", so Uwe Röver. Und es gab einen nicht unwesentlichen Unterschied zu anderen, inhaltlich vergleichbaren Kliniken in Deutschland: Wiefelstede war kein Bad- oder Kurort, Wiefelstede war die Ausnahme. „Unsere medizinischen Leistungen waren vorbildlich und um ein Vielfaches umfangreicher als das Angebot in anderen Kliniken. "Besser sein als die Anderen" das war unser Anspruch, der die Krankenkassen überzeugte", so Uwe Röver im Gespräch mit dem "Wiefelsteder“. Das Konzept wurde angenommen, der Kaufvertrag im November 1995 unterzeichnet und mit der Realisierung konnte begonnen werden.
Das einstige Sporthotel musste in vier Monaten umfangreich umgebaut und erweitert werden, damit der Start am 15. März 1996 erfolgen konnte. Aus rund 200 Bewerbungen aus der ganzen Region zwischen Wilhelmshaven, Delmenhorst, Oldenburg und Westerstede wurden letztendlich 46 Personen eingestellt. "Das Personal für die unterschiedlichen Fachabteilungen musste geschult werden, so gut es in dieser kurzen Zeit ging. Kaum jemand hatte damals praktische Erfahrungen aus einer vergleichbaren Klinik mitbringen können", erinnert sich Röver.
"Für diese internen Vorbereitungen und gemeinsamen Schulungen mussten alle wie ein Uhrwerk aufeinander abgestimmt werden. Wir hatten damals genau 14 Tage Zeit.“ Bis zwei Uhr in der Nacht zum 15. März wurde gearbeitet und anschließend mit einem Gläschen Sekt auf die gemeinsame Zukunft angestoßen. Die erste Maßnahme startete mit 120 Patienten. "Ich bin heute noch sehr stolz auf das, was unser Team damals in der kurzen Zeit geschafft hat. Das werde ich niemals vergessen und bin heute immer noch unendlich dankbar dafür", sagt Uwe Röver.


Bundesweiter Bekanntheitsgrad
Dabei begann der Auftakt vor 30 Jahren auch gleich mit ersten, unvorhergesehenen Anforderungen. "Zwei Familien waren mit Kindern mit Masern und Windpocken angereist“, erinnert sich Uwe Röver noch gut. „Das war eine große Herausforderung für uns. "Neben der Behandlung der erkrankten Kinder mussten die Sorgen der Eltern bezgl. einer möglichen Ansteckung berücksichtigt werden." Das gegenseitige Vertrauen und die daraus resultierenden großen Freiheiten jeden einzelnen Teammitgliedes prägen auch heute noch das Miteinander die Identifikation und die Energie und somit die Erfolge.
Gute Auslastung
Im Laufe der Jahre hat sich so einiges verändert. Der Bürokratiewurm wurde immer größer. So mussten z.B. die einst zweieinhalb Verwaltungskräfte aufgrund zunehmender Bürokratie auf sechs erweitert werden. Seit 1996 waren mittlerweile weit über 55.000 Patienten mit fast 1.200.000 Patientenbelegungstagen in der Klinik stationär anwesend.


"Wir sind dadurch vermutlich der größte Werbeträger der Gemeinde Wiefelstede für Deutschland! Zusätzlich bekommt die Gemeinde durch uns jährlich über 45.000 Übernachtungstage für die niedersächsische Beherbergungs- und Touristikstatistik“, stellt Uwe Röver fest. Auch die Zeit der Corona-Pandemie hat die Klinik aufgrund des Corona-Rettungsschirms gut überstanden. Schon während des Aufenthaltes in der Klinik werden häufig Ferienunterkünfte in der Gemeinde gebucht, um anschließend noch einmal mit der ganzen Familie ins Ammerland zu kommen. Neben der erheblichen Kaufkraft, die die Patienten seit 30 Jahren in Wiefelstede lassen, ist die Geschäftsführung besonders stolz, dass nur Firmen aus der Gemeinde Wiefelstede beschäftigt werden und auch hier auf sehr langfristige und wertvolle Partnerschaften zurück geblickt werden kann.
Die Erfolge des ganzheitlichen medizinischen Ansatzes sowie die Qualifikationen und therapeutischen Schwerpunkte der diversen Fachbereiche hat sich bei vielen Krankenkassen in Deutschland schnell herumgesprochen. Zum breit aufgestellten Angebot gehören neben den medizinisch therapeutischen Bereichen, wie Arztpraxis mit Ärztinnen, med. Fachangestellte und Krankenschwestern, Physiotherapie, Psychologinnen und Pädagoginnen sowie Fachkräfte für den bewegungstherapeutischen Bereich. Weiter gehört ein eigenes Küchen- und Housekeepingmanagement sowie Kollegen für Haus- und Gartentechnik dazu.



Von MKK zu MVKK
"Jeder hier ist unersetzlich“, so Uwe Röver. "Wer bei und die Nase hochträgt, passt nicht zu uns, egal in welcher Position. So war das immer und das ist etwas, was hier im Team auch immer so bleiben wird.“ Nicht ohne Stolz macht Uwe Röver im Gespräch mit dem "Wiefelsteder" deutlich: "Wir sind nicht Garmisch-Partenkirchen oder Sylt, wir sind kein Kurort und doch hat sich unsere Mutter-Vater-Kind-Klinik nicht nur bei unseren Patienten, sondern auch bei den Krankenkassen einen exzellenten Ruf erworben. Wir gehören in unserem Leistungssegment zu den besten Kliniken in Niedersachsen."
Im Jahr 2011 wurde die ehemalige Tennishalle des Sporthotels in den MotorikAktiv Bewegungsport-Bereich für Kinder (MABS) umfunktioniert. Dieses Angebot ist in Deutschland sicher einmalig. Die Mutter-Kind-Klinik wurde zur Mutter-Vater-Kind-Klinik - die erste Klinik in Deutschland, die auch Väter als Patienten aufgenommen hat. Bundestagsabgeordnete, Landespolitiker, MinisterInnen und Minister sowie auch der damalige Ministerpräsident Sigmar Gabriel haben sich von der Arbeit der Klinik überzeugen können.
...die nächsten 30 Jahre....
Nachdem Uwe Röver vor einigen Jahren aus der praktischen Leitung der Klinik ausgeschieden ist, hat er das Ruder seiner Frau Kerstin übergeben, die ebenfalls schon seit über 25 Jahren Teil des Teams ist. Inzwischen arbeiten über 100 MitarbeiterInnen in der MVKK. "Allen gemeinsam möchten wir unsere Anerkennung und unseren ganz herzlichen Dank aussprechen. Ohne sie gäbe es die MVKK-Familie nicht“, so Kerstin und Uwe Röver. "Ihr seid das wertvollste unserer Klinik, wir machen zusammen auch noch die nächsten 30 Jahre weiter!"
