Wo treffen sich alle 14 Tage fast 800 sportbegeisterte Fans aus Varel und der Umgebung? Richtig, in der Manfred-Schmidt-Sporthalle in Altjührden, um wieder einen Handball-Krimi des heimischen Drittligisten HSG Varel zu verfolgen. Die sportliche Entwicklung wie auch das steigende Zuschauerinteresse ist atemberaubend. Diese Resonanz bei den Fans hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.
„Wo in Varel gibt es eine andere Veranstaltung, die regelmäßig diese Begeisterung auslöst“, fragen sich nicht nur Christoph Deters, Geschäftsführer Sport und Sportlicher Leiter in Personalunion, sowie Frederik Stahmer, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, von Anker Sportmanagement.
Als Deters und Stahmer im August 2021 die Geschäfte übernahmen, kamen unter der Regie der beiden zum ersten Oberliga-Heimspiel gegen den SV Beckdorf gerade einmal 207 zahlende Zuschauerinnen und Zuschauer. Und in dieser Drittliga-Spielzeit war beispielsweise das Heimspiel gegen den Lokalrivalen Wilhelmshavener HV etliche Monate vor der Partie im April dieses Jahres mit 900 Fans – wie übrigens noch fünf weitere Heimspiele – ausverkauft.
Wie vor der Begegnung gegen den WHV hätte die HSG auch vor dem Heimspiel gegen den OHV Aurich 500 bis 1000 Eintrittskarten mehr verkaufen können.


Auch die sportliche Bilanz der vergangenen Jahre kann sich mehr als sehen lassen. In der Oberliga Nordsee belegten die Vareler in der Saison 2021/2022 den zweiten Platz, ein Jahr später Rang vier. Der sportliche Aufschwung nahm mit der Verpflichtung von Arek Blacha als hauptamtlicher Trainer im April 2023 weiter Fahrt auf.
Mit Platz vier qualifizierte sich die HSG Varel in der Spielzeit 2023/2024 für die neu geschaffene Regionalliga Nord. Nach einer beeindruckenden Saison 2024/2025 holte sich das Blacha-Team hier den Meistertitel und stieg in die 3. Liga, Staffel Nord-West, auf. Hier sicherte sich der Aufsteiger in dieser Spielzeit vorzeitig den Klassenerhalt und belegte am Ende Platz elf.
Drittliga-Handball in Varel ist allerdings kein Selbstläufer. Mit Deters, Stahmer und Blacha an der Spitze arbeitet ein ganzes Team hart daran, dass es weiter ambitionierten Handball in der altehrwürdigen Pfeilerhalle gibt. Apropos Pfeilerhalle: Nicht nur die Kapazitätsgrenze ist hier bei den Heimspielen erreicht, sondern auch die Ansprüche an die Rahmenbedingungen für höherklassigen Handball (Richtlinie Spielstätten/Hallenstandards des Deutschen Handballbundes) werden größer.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird die HSG Varel neue Wege einschlagen müssen. So gibt es Überlegungen, für einzelne Spiele in eine größere Halle wie nach Oldenburg auszuweichen. Ziel der Geschäftsführung bleibt aber, den Handball-Standort Varel nachhaltig zu erhalten. Eine Perspektive kann der Neubau einer Multifunktionshalle beim Vareler Sportpark sein, wie es der Bürgerrat den Politikern der Stadt zwischen Wald und Meer bereits vor vier Jahren vorgeschlagen hatte.
Von Friedhelm Müller-Düring
