Mit einer Riesenparty feiert das Friedeburger Bauunternehmen Meyerholz am Gründonnerstag sein 70-jähriges Bestehen. Geschäftsführer Ulf Meyerholz, der in dritter Generation das Familienunternehmen führt, hat rund 300 Geburtstagsgäste eingeladen, die es sich bei Speis und Trank und bei Livemusik von „Black Jack“ gut gehen lassen können.
„Ich möchte mich damit zuerst einmal bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken. Aber auch bei allen unseren Ausbaugewerken mitsamt ihren Gesellen.“ So günstig wie sein Großvater, der seinerzeit für die erste Betriebsfeier 28,40 Mark ausgegeben hat, wird Ulf Meyerholz wohl nicht davonkommen.
Aber 1956, als Maurermeister Karl-Heinz Meyerholz am 1. April das „Baugeschäft Meyerholz“ in seinem Wohnhaus am Strooter Weg gründete, waren es andere Zeiten - eine Maurerstunde kostete damals 1,27 Mark.
Im Rechnungsbuch aus dem Gründungsjahr finden sich, fein säuberlich notiert, viele zeitgeschichtlich spannende Informationen, von den Ausgaben für Maurerschnur oder für das Benzin für den Betonmischer, von den Löhnen bis zur Flasche Schnaps für die Belegschaft. Letztere findet sich gleich an fünfter Position und war vermutlich der Einstandsschluck.
Auch das Bauhandwerk selbst war 1956 noch ein anderes. Damals war es noch üblich, einen Massivbau lediglich aus Kalksandstein und Klinker zu bauen. Wanddämmung war nicht vorgesehen, Einfachverglasung war Standard. Seitdem hat sich viel verändert - geblieben ist jedoch das akkurate Harken des Baustellensands zum Wochenende, sagt Ulf Meyerholz augenzwinkernd.
Der heute 53-Jährige kennt viele Geschichten aus der langen Firmengeschichte und er ist stolz auf das, was in den 70 Jahren geleistet wurde.
„Wenn man mal grob überschlägt, dann sind es pro Jahr wohl 15 Häuser, die wir bauen. Mal mehr, mal weniger, mal größere, mal kleinere. Aber insgesamt kommen wir als Familienbetrieb auf rund 1000 Häuser. Und wer durch die Region fährt, begegnet unseren Häusern überall.“ Seit 70 Jahren prägt das Unternehmen Meyerholz nun schon das Bauen vor Ort.

„Husmoker“ mit Leib und Seele
Vom Strooter Weg zog das Unternehmen Meyerholz in den 60er-Jahren an den Hohen Weg 14. Karl-Heinz Meyerholz erweiterte den Fuhrpark anfangs um einen gebrauchten VW, dann kam ein Bulli T1 dazu, es folgten eigene Kräne, Radlader und Lastwagen. Schon frühzeitig hatte Karl-Heinz Meyerholz seinen Sohn Rainer in den Betrieb involviert. Rainer Meyerholz, der ebenfalls eine Maurerausbildung und außerdem ein Architekturstudium absolviert hatte, übernahm 1980 den väterlichen Betrieb als Geschäftsführer. Sein Sohn Ulf wiederum, ebenfalls gelernter Maurer und studierter Bauingenieur, stieg nach einer kurzen Stippvisite in einem anderen Bauunternehmen 1998 in den elterlichen Betrieb ein. Das war auch das Jahr, in dem die Firma Meyerholz sich mit einem Neubau im Gewerbegebiet Marx ansiedelte. 20 Jahre lang arbeiteten Vater und Sohn Meyerholz Hand in Hand. Wobei mit Ulf Meyerholz auch der Holzrahmenbau in das Portfolio des Unternehmens aufgenommen wurde. Heute stehen der Massivbau und der Holzbau gleichberechtigt nebeneinander und werden auch gerne miteinander kombiniert.
Gemeinsam ist allen Bauweisen ein hoher Energiestandard mit dreifacher Fensterverglasung und hohen Dämmquerschnitten. Ebenso wichtig sind Nachhaltigkeit und Wohlfühlatmosphäre. „Wir sind Husmoker“, sagt Ulf Meyerholz, der seit dem Tod seines Vater 2019 alleiniger Geschäftsführer ist. Die meisten der rund 30 Mitarbeitenden sind Maurer und Zimmerleute. In enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Handwerksbetrieben der Region bietet Meyerholz auch schlüsselfertiges Bauen nach dem Motto „Alles aus einer Hand“ an. „Die Individualität der Gebäude spielt in unserem Unternehmen eine große Rolle.
Bei uns gibt es kein Haus von der Stange,“ betont Geschäftsführer Ulf Meyerholz. Jedes Haus wird auf die Wünsche, Bedürfnisse und das jeweilige Grundstück abgestimmt. Das wissen die Kunden zu schätzen, viele werden zu Stammkunden oder erzählen es anderen weiter. „Manchmal kommen die Kunden mit einem fertigen Entwurf vom Architekten, oft planen wir komplett selbst“, so Meyerholz. „Wir helfen unseren Kunden, ihre Ideen zu verwirklichen.“

Hohe Wertschätzung für Mitarbeiter
Während das klassische Massivhaus direkt auf der Baustelle „hochgezogen“ wird, steht für den Holzrahmenbau eine eigene, großzügige Fertigungshalle mit modernsten Maschinen zur Verfügung. „Die Gebäudehülle wird hier komplett vorgefertigt und dann an Ort und Stelle transportiert und aufgestellt.“ Auch wenn es mitunter so aussehe, als sei ein Holzrahmenhaus schneller gebaut, sind beide Methoden doch in etwa gleich schnell. Dafür, dass die Ausführung schnell und reibungslos klappt, sorgen die rund 30 Mitarbeiter im Büro, auf den Baustellen und in der Fertigungshalle.
„Alle Mitarbeiter kommen aus der Region und die meisten sind schon viele Jahre im Unternehmen“, freut sich Ulf Meyerholz. „Von einigen sind inzwischen schon die Söhne bei uns. Der Vater eines Mitarbeiters war sogar schon Geselle bei meinem Großvater.“ Auch kehren immer wieder ehemalige Mitarbeiter zurück, nachdem sie eine Zeit lang anderen Plänen nachgegangen sind. Erst vor kurzem wurden wieder zehn, 35 und sogar 40 Jahre Betriebszugehörigkeit gefeiert. Auch als Ausbildungsbetrieb verzeichnet das Unternehmen Meyerholz immer wieder Erfolge. „Unsere Azubis gehören oft zu den besten der Branche. Leider gehen viele dann noch zu weiterführenden Schulen oder zum Studium“, sagt er ein wenig bedauernd.

Tradition und Moderne schätzen
Im Verlauf der Jahrzehnte sind unzählige Einfamilienhäuser entstanden, aber auch Hotels, Kindergärten oder Bauten für das Gewerbe. Dach- und Gebäudesanierungen und Umbauten stehen ebenso auf dem Programm wie Anbauten, Carports oder Tiny-Häuser.
Das traditionelle Handwerk ist geblieben, viele technische Innovationen sind dazugekommen. So stehen heute Gittermast- und Maurerkräne, Maurerbühnen oder Teleskoplader zur Verfügung. Der Holzrahmenbau profitiert von Fertigungstischen, modernen Sägeanlagen und einem neuen Hundegger-Zuschnittautomaten „Speed-Cut“. Auch nach sieben Jahrzehnten steht das Familienunternehmen für Regionalität, Vertrauen, Vielfalt und Qualität - und das stets am Puls der Zeit. Dazu gehören Modernisierungen von Bauweisen und Technik, der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht und nicht zuletzt eine zunehmende Digitalisierung.

Die Qualität der gefertigten Bauteile garantieren Zertifizierungen wie die RAL-Gütezeichen und das Ü-Zeichen. Die Überwachung (Ü) ist Pflicht, damit Wände und Decken bereits in der Vorfertigung gedämmt werden können. Das beschleunigt das Aufbauen vor Ort, nach drei bis vier Tagen ist der Holzbau vor Ort regendicht. „Früher waren die Bauakten ein schmales Heft, heute sind es oft drei dicke Aktenordner“, sagt Meyerholz. „Bauverordnungen, Wärmeschutz, DIN-Normen, Euro-Normen, Arbeitsicherheit und vieles mehr müssen heute mitbedacht und mitgemacht werden.“ Trotz aller Bürokratie, Ulf Meyerholz liebt seinen Beruf und ist stolz auf das, was er und seine Vorgänger geschaffen haben. „Es ist etwas Bleibendes, Sichtbares. Noch heute sehe ich die Häuser, die wir gebaut haben und kann sie meinen Kindern zeigen.“ Apropos Kinder, Ulf Meyerholz und seine Frau haben eine 18-jährige Tochter und einen 14 Jahre alten Sohn. „Wir werden sehen, ob sie den Familienbetrieb einmal übernehmen werden“, sagt er lachend. „Erzwingen werden wir es nicht.“
