
Unternehmensnachfolgen sind nicht immer einfach. Entweder haben die Kinder kein Interesse daran oder der Firmeninhaber möchte keinen Druck ausüben und denkt über einen Verkauf an Dritte nach. Dass es aber auch ganz anders laufen kann, zeigt sich beim Sanitätshaus Janssen in Emden.
Orthopädie-Techniker-Meister Ernst Janssen gründete 1989 zusammen mit seiner Frau Karin die Firma in der Bolardusstraße 19. Im Laufe der Jahre kamen weitere Filialen beziehungsweise Geschäftsübernahmen in Norden, Aurich und Emden hinzu.
Während Tochter Merle eine Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen im elterlichen Betrieb absolvierte und anschließend dort arbeitete, machte ihre Schwester Jenny eine Ausbildung bei der Sparkasse und war dort im Bereich Betriebsorganisation und Prozessmanagement beschäftigt.
Freie Entscheidung die Firma zu übernehmen
Kurz nach der Fertigstellung des Firmen-Neubaus in der Adalbert-Stifter-Straße 14 im Herbst 2019, kam Jenny während der Elternzeit stundenweise in den elterlichen Betrieb dazu und kümmerte sich zunächst um kaufmännische Aufgaben. Kurze Zeit später wechselte sie vollständig und bekam Einblicke in andere Abteilungen. Im Laufe der folgenden Jahre merkten die Geschwister, wie gut das gemeinsame Arbeiten funktioniert. „Wir haben uns oft darüber unterhalten, ob wir es uns vorstellen könnten, die Firma zu übernehmen“, so die beiden. „Unser Vater hat uns nie darauf gedrängt, daher war es unsere freie Entscheidung.“
Als sie ihm dann den Vorschlag machten in seine Fußstapfen zu treten, war Ernst Janssen sehr erfreut und vor rund vier Jahren haben die Töchter zunächst die Geschäftsführung übernommen und volles Vertrauen und Handlungsfreiheit für neue Wege und Veränderungen erhalten. Während dieser Zeit schaute vor allem Jenny auf die vorhandenen Strukturen und wie man sie verbessern könnte. „Wir haben alle technischen Geräte erneuert und die IT auf den neuesten Stand gebracht“, so Jenny. Auch die Arbeitsbedingungen für die rund 35 Mitarbeiter wurden verbessert, so dass jetzt beispielsweise auch Homeoffice in einigen Bereichen möglich ist. Außerdem sorgen neue Strukturen und Abläufe, eine Mitarbeiter-App plus Intranet sowie Angebote zur 4-Tage-Woche und flexible Arbeitszeiten für gute Arbeitsbedingungen.
Bei allen diesen Themen konnten sich Merle und Jenny auf die Unterstützung ihres Vaters und das jahrelang erlangte Know-how der Branche verlassen. „Das hat uns Sicherheit gegeben, um mutig zu sein und über den Tellerrand hinauszuschauen“, so Merle. So wurden Projekte wie das seit dem September 2024 gegründete „Mobile Sanitätshaus“ realisiert. Mitarbeiterin Cara Baselau fährt mit dem „Dörpflitze“ durch ganz Ostfriesland, um Menschen und Pflegeeinrichtungen mit Sanitätsartikeln zu beraten und zu beliefern, Schulungen durchzuführen und das Netz der verschiedenen Gesundheitsakteure zu stärken. „Dieses Projekt hatten wir schon länger geplant, um uns an der Gestaltung der Gesundheitsversorgung in Ostfriesland zu beteiligen und haben mit Cara genau die richtige Person dafür gefunden“, so Jenny.


Andere Art von Firmen-Führung als der Vater
Mit ihrer Schwester kümmert sie sich nun ausschließlich um die Geschäftsführung. „Wir haben eine andere Art von Firmen-Führung als unser Vater, aber mittlerweile hat er verstanden, worum es uns geht.“ Am 24. Dezember 2025 erfolgte dann der letzte Akt der Firmenübergabe und Jenny Hackhe und Merle Janssen sind offiziell die Inhaberinnen vom Sanitätshaus Janssen.
Zusammen mit Ihren Mitarbeitenden stehen sie in den Kompetenzbereichen Sanitätsfachhandel, Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik sowie Reha-Technik, Kinder-Reha und Homecare für Beratungsqualität und Kundennähe - immer auf den neusten Stand der Technologie. In der hauseigenen Manufaktur wird eigenhändig das Cappi Wetterverdeck entwickelt und hergestellt, wobei Sonder- und Maßanfertigungen grundsätzlich kein Problem sind. Gemeinsam mit dem Kunden wird die passende individuelle Versorgung gefunden - für ein bewegliches Leben. HEIKE GOYERT
